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27.01.2015

Auschwitz bedeutet Verantwortung

Der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) hat den 70. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz am 27. Januar zum Anlass genommen, auf Deutschlands Verantwortung für das jüdische Volk und für Israel hinzuweisen.

DIG-Präsident Robbe fordert „arbeitsfreien Gedenktag 27.Januar“

Der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG), der ehemalige Wehrbeauftragte des Bundestages Reinhold Robbe, hat den 70. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz am 27. Januar zum Anlass genommen, auf Deutschlands Verantwortung für das jüdische Volk und für Israel hinzuweisen.
Das derzeitige gesellschaftspolitische Klima mit Blick auf die deutsche Verantwortung für den Völkermord an den Juden sei alles andere als zufriedenstellend, erklärte DIG-Präsident Robbe am Rande einer Veranstaltung des Internationalen Auschwitz-Komitees in Berlin. Sieben Jahrzehnte nach der Befreiung von der Nazi-Diktatur müsse es für jeden Deutschen eine Selbstverständlichkeit sein, aus der unvergleichbaren Dimension der nationalsozialistischen Verbrechen, die an Juden, politisch Andersdenkenden, Sinti und Roma, homosexuellen und behinderten Menschen begangen wurden, eine besondere Verantwortung abzuleiten.
Als Beispiel für eine gefährliche negative Entwicklung nannte Robbe die aufkeimende Forderung aus der sogenannten Pegida-Bewegung nach einer Abkehr von der „Generationenhaftung“ für die Naziverbrechen und das „Schüren von Feindseligkeiten gegen Minderheiten“. Robbe bezeichnete derartige Forderungen der „Pegida-Aktivisten“ als „den nicht hinnehmbaren Versuch, den gesellschaftlichen Konsens der deutschen Verantwortung für die eigene Geschichte infrage zu stellen“.
In der Konsequenz bedeuteten derartige Parolen auch eine Infragestellung des ethischen und moralischen Fundaments unseres Grundgesetzes. Deshalb seien etliche „Pegida“-Rädelsführer als Verfassungsgegner einzustufen. Es sei, so Robbe weiter, enttäuschend und beschämend zugleich, wenn namhafte politisch
Verantwortliche für die vollkommen inakzeptablen und abstrusen „Pegida“-Forderungen Verständnis und Gesprächsbereitschaft aufbrächten. Diesem „rechtsnationalen Sammelbecken von frustrierten und verantwortungslosen Nörglern“ müsse entschieden und mutig entgegengetreten werden, forderte Robbe.

Gleichzeitig plädierte der DIG-Präsident für eine Rückbesinnung auf die deutsche Verantwortung aus der eigenen Geschichte. Insbesondere bei der jungen Generation sei nicht selten eine besorgniserregende Unkenntnis über die Nazi-Diktatur festzustellen. Als Ursache hierfür nannte Robbe eine Verdrängung dieser Epoche aus dem Schulunterricht. Es sei heute eher die exotische Ausnahme, wenn eine Schulklasse ein ehemaliges Konzentrationslager besuchen würde. Auch die Darstellung der unmittelbaren Zusammenhänge zwischen dem Holocaust und der Existenz des Staates Israel in den Schulbüchern sei vollkommen unzureichend und müsse endlich einer umfassenden wissenschaftlichen Überprüfung unterzogen werden. Die DIG werde hierzu in Kürze konkrete Vorschläge machen.

Schließlich sprach sich der DIG-Präsident dafür aus, den 27. Januar als „arbeitsfreien Zentralen Gedenktag für die Opfer der Hitler-Diktatur“ zu widmen. Dieser Gedenktag wäre ein wichtiger Beitrag dafür, das Andenken an die Opfer zu erhalten und gleichzeitig alle künftigen Generationen an die spezielle deutsche Verantwortung für Menschenwürde, Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit zu erinnern.

26. Januar 2015

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