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29.11.2012

Pax Christi gespalten: Obstütenaktion in der Kritik

Der antiisraelische Katholikenbund Pax Christi ist sich uneins, ob seine Boykottaktion „Besatzung schmeckt bitter“ noch Zukunft hat. Während die „Nahostkommission“ und das Präsidium hinter dem Obstboykott stehen, kritisierten andere Teile der Organisation, man nehme dabei die Assoziation „Kauft nicht bei Juden“ billigend in Kauf. Dennoch läuft die Aktion weiter.

Pax Christi gespalten: Obstütenaktion in der Kritik

Bei der erweiterten Präsidiumssitzung von Pax Christi im Juni muss es hoch hergegangen sein, so liest sich zumindest die aktuelle Ausgabe der „Zeitschrift der deutschen Sektion Pax Christi“. Denn der antiisraelische Bund debattierte im Sommer offenbar seine sogenannte Obsttütenaktion. Pax Christi hatte Anfang des Jahres in Deutschland dazu aufgerufen, Obstprodukte mit dem Israelstempel eingehend zu prüfen und gegebenenfalls zu boykottieren, wenn sie aus jüdischen Siedlungen im Westjordanland stammen.

Im Sommer ist zwischen regionalen Bistumsstellen und Ortsverbänden von Pax Christi dann offenbar Streit ausgebrochen: „Essen und Rottenburg-Stuttgart stellen sich deutlich hinter die Aktion. Aus Trier, Hildesheim, Mainz und Osnabrück/Hamburg sind starke Einwände gegen die Obsttütenaktion erhoben worden“, heißt es im Zentralorgan der Organisation. Kritisiert werde die „unscharfe Abgrenzung der Aktionsform zum Israel-Boykott“ und die „scheinbar in Kauf genommene Assoziation“: Kauft nicht bei Juden. Man mache sich auch Sorgen um die damit verbundene öffentliche Wahrnehmung von Pax Christi, so die vermeintlich kritischeren Teile.

Das Präsidium selbst steht indes voll hinter der Boykottaktion, die ein zentrales Anliegen des katholischen Verbandes in diesem Jahr ist. Der Delegiertenversammlung liegen laut Bericht zwei Anträge vor: Die Bistumsstelle Essen beantragte die Unterstützung der deutschen Sektion für die Aktion „Besatzung schmeckt bitter“ und die Regionalstelle Osnabrück/Hamburg beantragte mit Unterstützung der Bistumsstelle Trier deren Beendigung. Ebenfalls für die sogenannte Obsttütenaktion dürfte sich die Sektion München ausgesprochen haben, zumal sich Rosemarie Wechsler (Pax Christi München) in einer der letzten Ausgaben der „Zeitschrift der deutschen Sektion Pax Christi“ noch stark dafür ins Zeug legte.

Erst letzten Samstag stand Wechsler bei der Pro-Gaza-Demonstration vor der Münchner Feldherrenhalle auf der Rednerinnenliste. Dort wurden zahlreiche antisemitischen Plakate gezeigt, wie zum Beispiel eines mit der Aufschrift „Adolf Nethanjahu – Stop doing what Hitler did to you“ und ein anderes, nicht weniger aussagekräftiges, das auf „de Joodn“ hinausläuft und offen für Verständnis für Selbstmordattentäter wirbt. Wer sich da einreiht, sollte sich an einer Boykottaktion nicht stören können. Bei der Veranstaltung sprach auch Nicole Gohlke, Bundestagsabgeordnete der Linkspartei aus München.

Erstveröffentlichung auf http://schlamassel.blogsport.de/

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