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25.11.2013

Manege Frei (Wild)

Die völ­kisch ori­en­tier­te Band „Frei.​Wild“ soll am 06. De­zember in Mün­chen auf­spie­len. Sie will ihr so­eben er­schie­ne­nes Album „Still“ vor­stel­len. Bri­sant: Im frü­he­ren Agi­ta­ti­ons­zen­trum der NSDAP, dem wie­der­er­rich­ten Bau des „Cir­cus Krone“. Das Kon­zert ist be­reits seit Wo­chen aus­ver­kauft.

Manege Frei (Wild)

„Auf­ar­bei­tung der Ver­gan­gen­heit“ di­rekt nach den No­vem­ber­po­gro­men 1938 im „Cir­cus Krone“

Manege Frei (Wild)

Vor zwölf Jah­ren sang Phil­ipp Bur­ger noch in der Glatz­kopf-Band „Kai­ser­jä­ger“ über „N-Wort und Jugos“, die in Süd­ti­rol nichts zu su­chen hät­ten. In­zwi­schen hat er seine Stra­te­gie mo­di­fi­ziert. Sehr er­folg­reich, denn wäh­rend sich für die Band „Kai­ser­jä­ger“ kaum je­mand in­ter­es­sier­te, lan­den die Alben von „Frei.Wild“ re­gel­mä­ßig in der deut­schen Charts. In den Tex­ten von „Frei.Wild“ be­klagt Bur­ger heute: „Spra­che, Brauch­tum und Glau­be sind Werte der Hei­mat, ohne sie gehen wir unter, stirbt unser klei­nes Volk.“ Wie in der neu­rech­ten „Iden­ti­tä­ren“- Be­we­gung üb­lich wer­den Be­griff­lich­kei­ten wie „Rasse“ und „Na­ti­on“ in „Frei.Wild“-Tex­ten kon­se­quent mit „Kul­tur“ und „Hei­mat“ er­setzt. Das ist das ganze Ge­heim­nis des Er­folgs. Und die Band prä­sen­tiert sich zudem nicht als Jäger einer Min­der­heit, son­dern als Opfer im Kreuz­feu­er einer hal­lu­zi­nier­ten an­ti­deut­schen Mehr­heit – von Charter­fol­gen un­be­rührt.

Die Selbst­vikti­mi­sie­rung kennt of­fen­bar keine Gren­zen. Im Lied „Wir rei­ten in den Un­ter­gang“ legt die Band sogar nahe, dass Pa­trio­ten wie sie heute – ähn­lich wie ges­tern Juden – ver­folgt wür­den, nur „Stem­pel und Stern“ fehl­ten noch. Das Wort Jude wird dabei nicht aus­ge­spro­chen, aber durch die Phra­se „Stem­pel und Stern“ lässt sich das im Text An­ge­dach­te leicht ent­schlüs­seln. Ein­fach zu er­ra­ten ist auch, wer ge­meint ist, wenn Bur­ger singt: „Sie rich­ten über Men­schen, ganze Völ­ker sol­len sich has­sen, nur um Ge­schich­te, die noch Kohle bringt, ja nicht ruhen zu las­sen.“ Nor­man Fin­kel­stein würde die Text­stel­le vor­aus­sich­tich be­grü­ßen, was ein Ruh­mes­blatt nicht ist.

„Frei.wild“ schaf­fen es mit ihren iden­ti­tä­ren Tex­ten („Wir sind ein­fach gleich wie ihr, von hier“) immer wie­der in die deut­schen Charts. An­de­rer­seits wird die Band auch aus­ge­la­den. Me­dia­le Auf­merk­sam­keit er­lang­te die Aus­la­dung bei der Echo-Preis­ver­lei­hung 2013. Erst diese Woche can­cel­te der „Media Markt“ einen Auf­tritt der Band in Jena.

Wir­kungs­stät­te der na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Be­we­gung

Der Auf­tritt im Münch­ner Kro­ne­bau hätte genug Po­ten­zi­al, um sich zum Po­li­ti­kum aus­zu­wach­sen. Das wie­der­er­rich­te­te Ge­bäu­de des „Cir­cus Krone“ an der Mars­stra­ße dien­te der NSDAP als zen­tra­ler Pro­pa­gan­da-Stand­ort – den Hit­ler in sei­nem Buch „Mein Kampf“ aus­ge­spro­chen lo­bend her­aus­stell­te. Dass Hit­ler dort schon am 30. Ok­to­ber 1923 zum Putsch auf­rief, zählt zu den ver­gleichs­wei­se un­wich­ti­gen Be­ge­ben­hei­ten. Al­lein 1923 pol­ter­te er dort näm­lich 16 sei­ner Reden. Es waren vor allem die an­ti­se­mi­ti­schen Groß­ver­an­stal­tun­gen, die in die Ma­na­ge am Mars­feld ge­legt wur­den. Zum Bei­spiel die Grund­satz­re­de Hit­lers im Jahr 1920: „Po­li­tik und Rasse. Warum sind wir An­ti­se­mi­ten“. Diese Rede Hit­lers en­de­te ähn­lich ums Volks­wohl be­sorgt, wie es Bur­ger zu sein scheint: „Wir wol­len ver­mei­den, dass auch unser Deutsch­land den Kreuz­tod er­lei­det.“ (Hit­ler)

Auch die „Mas­sen­kund­ge­bung“ am 19. März 1933 unter dem Motto „Hin­aus mit den Juden aus sämt­li­chen öf­fent­li­chen Äm­tern und aus der An­walt­schaft“ wurde im „Cir­cus Krone“ ab­ge­hal­ten. Die­ser Abend soll­te „ein ge­wal­ti­ger Auf­takt für die deut­sche Sache wer­den“ – ver­sprach die Ein­la­dung und die­ses Ver­spre­chen hiel­ten die Na­tio­nal­so­zia­lis­ten auch. Bei der maß­geb­li­chen NS­DAP-Ver­an­stal­tung am Vor­a­bend der No­vem­ber­po­gro­me von 1938 rief Gau­lei­ter Adolf Wag­ner im „Cir­cus Krone“ die Par­tei­mit­glie­der dazu auf, eine „grö­ße­re Ak­ti­vi­tät in der Ju­den­fra­ge“ zu ent­wi­ckeln. Man müsse „dem Juden“, „klar und ein­deu­tig er­klä­ren, dass wir ihn nicht mehr haben wol­len“ und die „Kennt­lich­ma­chung der jü­di­schen Ge­schäf­te“ durch­füh­ren, so Wag­ner. Und auch zur Nach­be­rei­tung der No­vem­ber­po­gro­me traf sich die an­ti­se­mi­ti­sche Be­we­gung selbst­ver­ständ­lich im Kro­ne­bau (siehe ers­tes Bild).

Der „Cir­cus Krone“ spiel­te schon zur Ko­lo­ni­al­zeit eine wich­tig Rolle, als dort bei­spiels­wei­se die „[N-Wort]-Trup­pe“ auf­zu­tre­ten hatte oder man sich neben 20 Ele­fan­ten kur­zer­hand „In­dia­ner“ oder „Chi­ne­sen“ nach Mün­chen be­stell­te. Noch 1938 prä­sen­tier­te der Zir­kus in Deutsch­land eine „Ko­lo­ni­al­schau“ mit Schwar­zen aus Ka­me­run und dem Sudan, die in Fort­füh­rung des os­ma­ni­schen Ko­lo­nia­lis­mus von Ara­bern ge­maß­re­gelt wur­den, und dem deut­schen Pu­bli­kum die an­geb­li­chen „Ori­gi­nal­sit­ten“ von Schwar­zen im „Kro­ne-Zoo“ vor­füh­ren soll­ten.

„Cir­cus Krone“ – ein ewi­ger Pio­nier

Ob Ko­lo­nia­lis­mus oder Na­tio­nal­so­zia­lis­mus – der „Cir­cus Krone“ war in Sa­chen men­schen­feind­li­cher Bar­ba­rei un­frag­lich in ex­po­nier­ter Stel­lung. Ins­be­son­de­re zwi­schen 1920 und 1933 rahm­te der Zir­kus in sei­nem Ge­bäu­de am Mars­feld den Auf­stieg der NSDAP. Und am 06. De­zember 2013 soll im wie­der­er­rich­ten Ge­bäu­de am Mars­feld die Band „Frei.Wild“ spie­len, die eine eben­falls wie­der­er­rich­te­te Form der völ­ki­schen Be­we­gung wie­der­spie­gelt. Das passt zu­sam­men. Das Kon­zert am 06. De­zember ist damit ohne Zwei­fel ein High­light für die rechts­iden­ti­tä­re Szene im Jahre 2013 und es ist kein Wun­der, dass es seit Mo­na­ten aus­ver­kauft ist.

Das be­stä­tigt den Ver­dacht, dass sich der Zir­kus nie wirk­lich mit sei­ner men­schen­ver­ach­ten­den Ver­gan­gen­heit aus­ein­an­der­ge­setzt hat. Wich­ti­ger als die The­ma­ti­sie­rung des „Frei.Wild“-Auf­tritts wäre aber ei­gent­lich genau das. Der Auf­tritt böte eine gute Ge­le­gen­heit, auf die Tra­di­ti­on die­ser Ma­ne­ge hin­zu­wei­sen. Denn Bands wie „Frei.Wild“ kom­men und gehen, der „Cir­cus Krone“ wird vor­aus­sicht­lich auch diese Ge­mein­heit prä­sen­tie­ren und dann geht es mit ihm wei­ter.

Quelle und Erstveröffentlichung: http://schlamassel.blogsport.de/

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