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04.04.2012

„Erschreckendes Unwissen“: DIG-Präsident Reinhold Robbe kritisiert Günter Grass

Günter Grass hat sich mit seinem Text auf das Feld wohlfeilen Moralgezeters begeben. Selbst ohne Antisemitismus zu unterstellen, gegen den sich Grass in dem „Gedicht“ selbstherrlich verwahrt, kann man doch angesichts solch plumper, primitiver Rhetorik staunen – und sich ärgern.

Schon der Titel entlarvt die didaktische Haltung des Textes: „Was gesagt
werden muss“. Als wäre Grass der erste, der eine längst überfällige
Weltwahrheit auszusprechen wagt, weil allenthalben verschwörerische Kräfte
solch „mutiges Wort“ unterdrücken.
Was aber adelt Grass zu der moralischen Überinstanz, die ihn offenbar so sehr
belastet und ihm diesen dringend notwendigen Text in genialischem Ringen
entlockt hat? Es ist das tausendjährige Erbe, natürlich. Grass meint, wir Nach-
Nazis (Grass an erster Stelle) hätten mit unserer belasteten Historie auch ein
höheres historisches Bewusstsein geerbt und seien somit prädestiniert, in der
Welt Gerechtigkeit und Wahrheit ein für allemal zu verteidigen – und sei es mit
Waffengewalt.
Denn Waffen sind es, die Grass hier wetzt. Sicher nicht das scharfe Schwert
des Verstands, den man Grass noch vor wenigen Jahrzehnten zugetraut hätte.
Nicht einmal das Messer des schneidenden Worts. Denn sein Gedicht „Was
gesagt werden muss“ ist ein magerer, selbstbezogener Text, überflüssig und
eitel. Die Waffe des ehemaligen Dichters Grass ist die behauptete Moral. Mit
Wucht und weltumspannender Geltung will er sie daherkommen lassen, voll
Überzeugung, dass ihm als Dichter diese Tumbheit nachgesehen werden wird.
Sein Unwissen über die komplexen politischen Verhältnisse im Nahen Osten ist
erschreckend und seine Einlassungen dazu sind so pauschal und dürftig, dass
es sich geradezu verbietet, im Detail darauf einzugehen. Grass diskreditiert sich
selbst, als Intellektueller wie als Künstler.
„Was gesagt werden muss“, darf sehr wohl gesagt werden. Wir wollen es aber
den Klugen überlassen.

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